Einbrüche in Tierarztpraxen häufen sich

Veterinärmediziner und Polizei schlagen Alarm:  Tierärzte, Suchtexperten und Kriminalisten sind besorgt. Denn die Einbrüche in Arztpraxen häufen sich …
Das Ziel der Kriminellen: Ketamin. Ein Mittel, das in der Tiermedizin eigentlich zur Narkoseeinleitung bei Hunden oder Pferden benutzt wird.

Eine neue Droge lässt Einbrüche in Gewerbebetriebe steigen

Auch in der Humanmedizin ist Ketamin durchaus gebräuchlich. Hier unter anderem zur Behandlung von Schmerzen. Zudem gab es Studien, die der Frage auf den Grund gingen, ob der Wirkstoff auch bei Depressionen genutzt werden kann.

Allerdings können, vor allem durch den Vorläufer des Derivates, auch Wahnvorstellungen und Psychosen ausgelöst werden. Dies gilt, wenngleich abgeschwächt, auch für den modernen Wirkstoff. Eine verhängnisvolle Entdeckung, die nun offenbar auch die Sucht- und Drogenszene für sich ausnutzt. Denn der Trend, sich Ketamin als Rauschmittel(ersatz) in schlecht gesicherten Tierarztpraxen zu besorgen, scheint sich zu verfestigen.

Dabei haben sich offenbar kriminelle Strukturen aufgetan, bei denen Kleindealer, selbst süchtig, mit dem Narkosemittel „auf den Markt“ drängen.

Immense Risiken bei dem Narkosemittel als Partydroge

Das hat in der Suchszene verschiedene Namen, wird schlicht „K“, „Keta“ oder „Kate“ genannt. Auch Begriffe wie „Special K“ oder die verniedlichende Bezeichnung „Vitamin K“ meinen dieselbe Droge. Eine heute offenbar sehr beliebte Partydroge, die in ihrer Wirkung fatal ist.

Zwar scheinen sich Raum- und Zeitgefühl aufzulösen und die Betroffenen bunte Fantasie-Welten zu erleben, doch auch Horror-Trips werden beschrieben. Üblich in der Szene ist vor allem die Einnahme über eine nasale Applikation, wobei das Mittel, ähnlich Kokain, zunächst in feinen Linien auf einer Tischplatte oder dem Handy portioniert und dann „geschnupft“ wird. Teils mit tödlichen Folgen: Denn neben den bei Süchtigen erhofften Halluzinationen und Tagträumen können auch Krämpfe oder Atemstillstand auftreten. Dabei kann die Wirkung des Mittels durch andere Drogen oder Alkohol noch einmal verstärkt werden.

Zeit zum Handeln gekommen?

tierarzt2Manche Tierärzte beklagen bereits den mehrmaligen Komplettverlust ihrer Bestände und haben entsprechend (Alarmanlagen, besser abgesicherte Fenster (siehe Fensterschlösser),  zumal in Parterre und zu schwer einsehbaren Hinterhöfen hinaus) reagiert. Tatsächlich geht auch die Gewerkschaft der Polizei davon aus, dass heute kaum ein Gewerbebetrieb, und sei es der Kiosk um die Ecke, von Einbruchsversuchen verschont bleibt.

Speziell bei Arztpraxen sehen (siehe auch auf Seite der Polizeigewerkschaft) die Ermittler dann eine Einbruchsgefahr, die deutlich erhöht ist. Hier sorgte seinerzeit die Praxisgebühr für sprunghaft steigende Zahlen. Doch auch das technische Equipment scheint begehrt und Hehlern bare Münze wert.

Im Rahmen der Suchtproblematik geht dann vor allem von den Medikamenten selbst, aber auch Blankorezepten ein großer Reiz aus. Gerade in Arztpraxen sollten daher Türen und Fenster auf ihren sicheren Schluss hin kontrolliert werden. Denn laut Auskunft der Berliner Polizei schrecken einbruchshemmende Fenster und Türen gerade in Arztpraxen viele potentielle Täter ab.

Zudem gelte auch hier das Prinzip „wachsamer Nachbar“; ein guter Kontakt zur Hausgemeinschaft könne sicherlich nicht schaden.

Verhalten im Ernstfall:

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Wird der Täter ertappt, gilt dennoch „safety first“. Denn gerade im Zusammenhang mit Drogendelikten und Tätern, deren Wahrnehmung durch Eigenkonsum eingetrübt ist, besteht die Gefahr für irrationale und gewalttätige Reaktionen.

Damit ist die Beschaffungskriminalität – deutschlandweit – nach wie vor ein großes Problem. Das gilt natürlich nicht allein für die Ketamin-Szene, da Diebestouren auch bei Crystal-Konsumenten gang und gebe sind. Typisch für Ketamin scheint freilich, dass dies von vielen Süchtigen direkt „an der Quelle“, also in den Praxen, besorgt wird. Artztpraxen sollten daher ebenso wie Häuser verstärkt durch Sicherheitstechnik und Alarmanlagen gesichert werden. Gute Funk-Alarmanlagen mit einer Außensirene können heute oft auch selbst installiert werden, man sollte allerdings beim Einrichten einiges beachten und nicht unbedingt zu den billigsten Modellen aus Baumarkt oder Supermarkt greifen. Tipps dazu auch in unserem Ratgeber: „Was muss ich beim Kauf einer Alarmanlage beachten?

Peter Hoffmann

Info zu Ketamin

Ketamin ist ein Narkosemittel. Ketamin wurde erstmals 1962 synthetisiert. Ein Pharmakonzern war auf der Suche nach einem Narkosemittel, das Herzfrequenz und Atmung nicht beeinträchtigt. Ziel war es schmerzfreie Operationen ohne Beatmungsgeräte möglich zu machen. Aufgrund seiner speziellen Eigenschaften war Ketamin eines der wichtigsten Narkosemittel für US-Soldaten während des Vietnam-Kriegs. heute wird Ketamin  überwiegend in der Tiermedizin eingesetzt, unter bestimmten Bedingungen aber auch beim Menschen.  Wegen seiner halluzinogenen Nebenwirkungen wird Ketamin auch als Rauschdroge missbraucht.  Auf dem illegalen Markt wird es als Special K, Vitamin K, Kate oder K gehandelt. Mehr Informationen dazu unter  drugcom.de  ein Projekt der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA).

1 Kommentar
  1. Reply
    Schlüsseldienst Hamm 6. Juli 2017 at 20:51

    Traurig, dass für neuen Partydrogen nun schon Einbrüche gemacht werden…

    Ich hoffe nur, dass sich immer mehr Menschen um einen wirksamen Einbruchsschutz informieren.
    Selbst eine sehr kostengünstige Atrappe wirkt wahre Wunder!

    Keine Macht den Drogen und Einbrechern!

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