Smart City – Die Stadt der Zukunft gibt es bereits

Wie lebt es sich in der Stadt der Zukunft? Auch hierzulande glauben viele, dass ein vernetztes Zuhause in einigen Jahrzehnten völlig normal ist. Eine Zukunftsvision, die in Songdo in Südkorea bereits heute Realität ist. Freilich zeigt sich gerade hier, in Smart City, dass diese neue Technologie ihren Preis hat: Denn nicht nur in Songdo können Datenschutz und Privatsphäre durch den technischen Fortschritt ausgebremst werden …


Dabei scheinen die Vorteile zu überwiegen, wenn unser Heim zunehmend „intelligent“ wird:

Wenn die Wohnung mit dem Tablet vernetzt ist!

Ob in Korea oder hier bei uns in Europa, niemand wird ernsthaft leugnen, dass moderne Smart Home Lösungen zahlreiche Vorteile im Gepäck haben. Denn ein vernetztes Zuhause kann jede Menge Energie sparen. Zudem steigert die Steuerung der Haustechnik via Tablet oder Smartphone Behaglichkeit und Wohnkomfort und wird damit zum Werterhalt der Immobile beitragen.

Angst vor Hackern inklusive?

Doch es gibt auch Ängste, die mit diesem modernen Zuhause verknüpft sind. Viele fürchte, dass die Technik (noch) nicht ausgereift ist. Auch der Preis, die Sorge um die Privatsphäre sowie die Angst vor Hacker-Angriffen lässt potentielle Nutzer zögern. Gute Gründe also für einen Abstecher nach Südkorea, wo die Technik von morgen bereits heute eine alltägliche Realität ist:

Im Bannkreis der Millionenmetropole!

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Hier erstreckt sich, rund eine Fahrstunde von der Hauptstadt Seoul entfernt, der Songdo International Business District, der auch Smart City genannt wird.
Verwaltungstechnisch betrachtet, gehört Songdo City zur Hafenstadt Incheon, die mit der Hauptstadt eine optische Einheit bietet. Ein gewaltiger Ballungsraum, der wie ganz Südkorea hochtechnisiert ist.
Das Land hat die höchste Smartphone-Dichte weltweit. Für 88 Prozent (!) der Bewohner ist das Handy ein täglicher Begleiter, der – einmal verlegt – sogleich schmerzhaft vermisst wird. Denn gerade in Südkorea ist die Zahl der Smartphone-Süchtigen groß.

Wird in Zukunft alles besser?

Dabei gilt New Songdo City als Planstadt, die auch für koreanische Verhältnisse ungewöhnlich fortschrittlich und modern ist. Eine Siedlung, die seit dem Jahre 2003 aus dem Boden gestampft wurde. Mit Wolkenkratzern, die optisch wenig ansprechend, jedoch perfekt vernetzt sind.

Das Fernsehen sprach schon mal von einer Stadt, die grün und smart, aber auch bis in den letzten Winkel überwacht ist. Denn hier finden sich Hochhäuser, deren Dächer begrünt sind. Auch die Nebenkosten bieten Anlass zur Freude, da sich die Jalousien, völlig selbstständig und wie von Geisterhand, so öffnen und schließen, wie es für das Raumklima und die Energiebilanz optimal ist.

Youtube Videobeitrag der TAFF-Redaktion zur Stadt der Zukunft: Songdo

Einbruchschutz zu Lasten der Privatsphäre?

Der Einbruchschutz findet sich ebenfalls auf hohem Niveau. Viele Haustüren lassen sich nur von jenen öffnen, deren Fingerabdrücke vom System gescannt wurden. Dabei profitiert auch die Polizei davon, dass die Stadt der Zukunft smart und vernetzt ist. Denn Überwachungskameras sind allgegenwärtig, so dass verdächtige Personen und Bewegungen rasch entdeckt werden. Mehr noch: Jeder unbefugte Zutrittsversuch wird sogleich an eine Zentrale gemeldet, die dann Alarm schlägt.

Allerdings muss dieses Mehr an Sicherheit mit deutlichen Einschränkungen der Privatsphäre erkauft werden. Denn die Stadt der Zukunft überwacht alles und jeden. Kameras, Chips und Sensoren erstellen ein Bewegungsmuster, das nahezu komplett ist.

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Zukunftsweisend oder einen Schritt zu weit?

Songdo Central Park

Songdo Central Park

Dafür gehören Staus in der Stadt der Zukunft der Vergangenheit an. Auch Mülltonnen wird man hier vergeblich suchen, da Abfälle über ein unterirdisches Rohrsystem entsorgt werden.

Insofern wundert es wenig, dass in Songdo New City kaum ein Bewohner einen Staubsauger oder Besen in die Hand nimmt. Vielmehr verfügen die Apartments über einen Zentralstaubsauger, so dass der Schlauch direkt in die Wand gesteckt wird.

Falls erwünscht, lässt sich die Haustür sogar vom Bad aus öffnen. Völlig gefahrlos, da diejenigen, die hier um Einlass bitten, zunächst von Kameras gescannt werden. Dennoch monieren viele, dass ihnen diese geballte technische Power mitunter zu präsent ist. Denn Lautsprecher informieren über jedes Detail, auch darüber, wenn in der Stadt ein Event ist. Das vermag dann nicht nur uns Europäer zu nerven.

Konservative Sitten:

Zumal Koreaner, trotz ihrem Hang zu moderner Technik, mitunter ginant bis konservativ sind. So stellt Händchenhalten oder Küssen in der Öffentlichkeit nach wie vor ein Tabu dar. Lockerungen finden nur allmählich und äußerst behutsam statt – und dürften angesichts der Rundumüberwachung eher gebremst denn forciert werden.

Was also ist Songdo? Eine Eskalation von Big Brother oder doch die Stadt der Zukunft? Das wird die Geschichte zeigen. Denn noch kann niemand vorhersagen, wer stärker ist: Unser Wunsch nach mehr Sicherheit und Bequemlichkeit oder die Absage an einen gläsernen Bürger, dem die ein oder andere Kamera und technische Lösung dann doch zu weit geht.

Autor Peter Hoffmann

Literatur zum Thema Smart City

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1 Kommentar
  1. Reply
    Patrick 16. März 2017 at 10:25

    Toller Artikel !
    Leider ist die Angst vor Häckern berechtigt.
    Umso mehr digitale Geräte verwendet werden, desto mehr Hackerangeriffe gibt es auch.

    Grüßle
    Patrick

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